Gemeinsam für Berlin e.V.

Erhörtes Gebet für Frieden in der Stadt - die Gebetsaktionen rund um den 1. Mai seit 2003

Nachdem es seit 1987 über 16 Jahre ununterbrochen extrem gewalttätige Krawalle in Berlin-Kreuzberg gegeben hatte, entschlossen sich Christen aus verschiedenen Gemeinden ihren Auftrag, „Licht und Salz“ zu sein, ernst zu nehmen. Sie entschlossen sich, vor Ort präsent zu sein. 2004 bis 2012 gab es jedes Jahr einen Gebetsgottesdienst am Mittag im SO36-Kiez. Außerdem fand sich eine Gruppe von Beterinnen und Betern, die auf den Straßen und Plätzen tagsüber bis in die Nachtstunden um den Frieden Gottes baten. Beginnend vom 30.4. bis zum 1.5. abends wurde Gott in diesen Jahren auf den Straßen oder auch durch Gebetsgruppen innerhalb einer Gemeinde um Gnade angerufen, damit die Gewalt nicht mehr ungehindert ausbrechen konnte. Vom Jahr 2004-2008 ging die Randale so spürbar zurück, dass sogar die Zeitungen titelten: Das Gewaltritual ist durchbrochen! Leider änderte sich die positive Entwicklung schlagartig 2009 noch einmal. Es gab ein Aufflackern der Randale. Die Beter ließen sich nicht entmutigen und seit 2010 war das Gewaltritual dann gebrochen.

Hier eine kurze auswahlweise Chronologie:

  • 2003: Einen Tag lang 24/7und Jugendgebetskonzert, aber kaum jemand draußen vor Ort.

  • 2004: Erster übergemeindlicher Gebetseinsatz im Mauerpark am 30.4. und am 1. Mai mit Gebet in Gemeinderäumen und draußen auf der Straße. Gemeinden nehmen Verantwortung: Zum 1. Mal Gebetsgottesdienst von GfB vor Ort in Kreuzberg. Ergebnis: Zum ersten Mal melden die Zeitungen, dass das Gewaltritual durchbrochen wurde! 

  • 2005: Verfeinerung der Gebetsstrategie, Zunahme der Beteiligung der Berliner Gemeinden – Gottesdienst vor Ort, Einsatz von Lobpreisteams am Nachmittag, Müll einsammeln als Friedensdienst, um mögliche Wurfgeschosse und brennbare Materialien zu beseitigen. Resultat: Beinahe gar keine Gewalt mehr, Mauerpark total friedlich, kleinere Randale am Boxhagener Platz, Polizeistrategie der „ausgestreckten Hand“ wird Vorbild für europäische Länder.

  • 2006: weitere Verbesserung

  • 2007: es gibt nur noch kleinere Unruhen – Aufflackern von Gewalt nur an einem bestimmten Ort: Heinrichplatz/Oranienstraße. Es wird im 2007 Sommer von Pastoren der Stadt und Fürbittern vor Ort Buße getan über Sünden gegen die Juden in Oranienstraße/Heinrichplatz. Dort war in der Nazizeit eine Sammelstelle für Juden zum Abtransport in die Lager.

  • 2008: Wir bekommen die Bühne am Heinrichplatz für den Gottesdienst – zum ersten Mal bleibt es innerhalb des Kiezes die ganze Nacht völlig friedlich, Randaleversuche laufen außerhalb, werden bald „abgelöscht“.

  • 2009: Schwere Krawalle gleich beim Beginn der 18 Uhr Demo – hier gab es einen überraschend heftigen Gewaltausbruch nach all den Jahren des Rückgangs von Gewalt. Die Gebetsgruppe konnte vor Ort erleben, dass die Polizei eine hervorragende Arbeit geleistet hatte, wurde aber von der sehr früh einsetzenden Randale völlig überrascht. Über ein Jahr kam die Stadt nicht mehr zur Ruhe. Jeden Monat brannten Autos. Die Zahl der von Linksextremisten verübten Straftaten hat sich im Jahr 2009 verdoppelt. Immer wieder wurden nun auch Polizisten oder staatliche Einrichtungen gezielt angegriffen. Es wurden sogar selbst gebaute Sprengkörper eingesetzt.

  • 2010: Eigentlich war alles auf Konfrontation und Gewalt gepolt. 42 angemeldete Demonstrationen – die groß angekündigte Nazidemonstration im Prenzlauer Berg und die revolutionäre 1. Mai-Demonstration in Kreuzberg. Sehr viele gewaltbereite Antifa-Jugendliche aus anderen Bundesländern waren nach Berlin gekommen. Wunder Nr. 1: Es war die ruhigste Walpurgisnacht seit Jahren (so titelten die Zeitungen).
    Wunder Nr. 2:
    Die Demonstration gegen die Nazis verlief friedlich trotz sehr vieler Antifa-Jugendlicher, die auf die Dächer der Häuser kletterten und bereit waren, auch von dort oben die Menschen zu attackieren. Die Gewaltausbrüche in Kreuzberg waren relativ klein und überschaubar und konnten von der Polizei gut beherrscht werden. Gott schickte den Regen genau zur richtigen Zeit, um größere Randale im wahrsten Sinne des Wortes abzulöschen.
    Offensichtlich war bei den Christen der Stadt die Bereitschaft gewachsen, sich im Gebet für die Stadt einzusetzen. Das haben die steigenden Zahlen bei dem Gottesdienst am Mariannenplatz gezeigt. Vermehrt wurde auch in Gemeinden gebetet. Das Bild von Berlin, das an diesem Tag in die Welt ging, ist ein weitgehend friedliches. Die einhellige Meinung in den Medien hieß: die Spirale der Gewalt ist wieder angehalten. Das Myfest blieb völlig ungestört.

  • 2011 war das achte Jahr, dass wir diesen Gebetseinsatz auf der Straße gemacht haben. Immer mehr wird das Anliegen eines friedlichen 1. Mai auch von Christen in den verschiedensten Gemeinden der Stadt unterstützt. Und da, wo wir in Einheit vor Gott für unsere Stadt einstehen, erhört Gott Gebet. Die Polizei hat wirklich ein sehr gutes, griffiges Konzept entwickelt, damit gar nicht erst groß Randale aufkommen kann. Der Innensenator hat jetzt Bilanz gezogen und er zeigt sich mit dem Verlauf des 1. Mai „hoch zufrieden“.

  • 2012: So einen friedlichen 30. April hat Berlin seit Jahrzehnten nicht erlebt! Etwa 3000 Demonstranten waren durch Wedding gezogen. Die „Antikapitalistische Walpurgisnacht“, traditioneller Auftakt zur den Veranstaltungen rund um den 1. Mai, fand erstmals im ehemaligen Arbeiterbezirk statt. Eine gewaltige Gebetserhörung war, dass sich die Presse nicht mehr auf irgendwelche Bilder von brennenden Barrikaden stürzt.

  • 2013 – 10 Jahre Gebet: Liveticker der Berliner Zeitung 22:22 Uhr: „Die ersten Polizei-Hundertschaften machen Feierabend. So früh gab es das noch nie bei einem 1. Mai!“ Die revolutionäre Mai-Demo hatte sich am Ziel Unter den Linden völlig friedlich aufgelöst.

  • 2014: „Der diesjährige 1. Mai war einer der friedlichsten seit Beginn der Krawalle 1988.“ Diese Bilanz zogen Innensenator Frank Henkel (CDU) und Polizeipräsident Klaus Kandt. „Die Eskalation der Gewalt wie in früheren Jahren ist ausgeblieben“, sagte Henkel. Neu war in diesem Jahr, dass wir bei den relevanten Demos schon im Vorfeld auf den jeweiligen Strecken gebetet haben. Es gab 50 Stunden ununterbrochenen Lobpreis im Gebetskeller am Kottbusser Tor. Es gab zwei Fürbitteblöcke am 1. Mai und Teams, die am Görlitzer Park, am Oranienplatz und als Begleitung der 18:00 Uhr-Demo gebetet haben. Es gab laut Polizeiangaben doppelt soviel Demonstranten bei der 18:00 Uhr-Demo wie im Vorjahr (19.000 Teilnehmer) die allermeisten davon verhielten sich friedlich.

  • 2015: 50 Stunden Lobpreis im Gebetskeller, unterbrochen durch Fürbitte-Blocks, "unterlegten" die Tage. Gebets-Begleitung der Demos lief wie bisher. Neu war, dass wir auf einer der offiziellen Bühnen des Myfests zwei Stunden mit christlicher Musik gestalten konnten (Gospelchor und -Band). Die Resonanz war mäßig. Fazit: Es war der friedlichste 1. Mai seit Beginn der Unruhen vor 25 Jahren!

  • 2016 bis 2018: Gebetsaktionen im Wesentlichen wie in den Vorjahren. Neu waren 2018 evangelistische Straßenteams. Die Tendenz zu einem nahezu gewaltfreien 1. Mai in Berlin verstetigte sich. Gott sei Dank und alle Ehre!

Zusammenschau der Gebets-Lern-Erfahrungen

Die Open-Air-Gottesdienste bis 2012 hatten zwischen 400 und 1.000 Teilnehmern. Die Gewalt am 1. Mai ging - bis auf eine Ausnahme 2009 - kontinuierlich zurück und ist inzwischen fast auf null. Wir Christen haben uns also zusammen mit anderen gesellschaftlichen Gruppen erfolgreich zum Besten der Stadt mit eingebracht – dank der gnädigen Erhörung unserer Gebete! Und wir haben weiter gebetet, später auch ohne Open-Air-Gottesdienst, in unterschiedlichen Formen, bis heute.

Der 1. Mai wurde für Gemeinsam für Berlin auch zum Paradebeispiel für die Zusammenarbeit politisch und weltanschaulich sehr unterschiedlicher Gruppen für ein gemeinsames Anliegen. Schon die Vorbereitung für den ersten öffentlichen Gebetsgottesdienst für einen friedlichen 1. Mai 2004 war signifikant: Matthias Linke, Kreuzberger Pastor, und Axel Nehlsen, GfB-Geschäftsführer, waren bei einer Versammlung der Ortsgruppe der Grünen, um das Projekt vorzustellen und die Zustimmung für die Nutzung der Bühne der Grünen vor deren Musikprogramm zu erlangen. Nach einer knappen Vorstellung unseres Anliegens gab es einige Wortmeldungen, von denen diese typisch war: „Im Sinne der Interkulturalität und Diversifizierung sollten wir den Christen doch unsere Bühne für das Friedensgebet geben.“ So ähnlich sprach der Diskutant und daraufhin beschloss die Versammlung es auch. Im Polit-Jargon von damals macht dieser Satz sehr gut deutlich, was uns als weltanschaulich und strukturell völlig unterschiedliche Gruppen verband: Die Sehnsucht nach einem möglichst friedlichen 1. Mai nach all den Jahren der Randale in Kreuzberg; das Zusammenwirken völlig unterschiedlicher gesellschaftlicher Basisbewegungen (die wir als GfB im Unterschied zu den institutionellen Kirchen auch waren!) für ein gemeinsames Ziel; die gegenseitige Solidarität miteinander trotz ganz unterschiedlicher Mittel (unseres war das Gebet!). Wir haben an diesem und anderen Beispielen gelernt, dass wir uns als christliches Netzwerk und für die Stadt engagierte gesellschaftliche Gruppe mutig und ohne Berührungsängste in den Diskurs und die gemeinsame Aktion einbringen können. Wegen der positiven Erfahrungen der Zusammenarbeit wurde uns (auf jeweils neuen Antrag und manchmal erst extrem kurzfristig) auch in den Folgejahren die Bühne der Grünen und Linken für unseren Gebetsgottesdienst überlassen.

Zum Schluss ein ermutigendes Erlebnis aus dem Jahr 2010:

Der atheistische Polizist als Zeuge für den Segen Gottes
Am Open-Air-Gottesdienst 2010 nahmen rund 500 Beter/innen teil. Viel Solidarität fand der vom Berliner Polizeipräsidenten entsandte Polizist, der nach einem Kurzinterview stellvertretend für seine Kollegen und Kolleginnen gesegnet wurde. Dieser Polizeibeamte, laut eigener Aussage Atheist, schrieb in seiner Antwort auf unseren Dank an ihn: „Auch ich bin froh, dass unsere Wünsche erhört wurden und es diesmal viel weniger Gewalt und Verletzte gab. Auch die Schäden in Kreuzberg hielten sich in Grenzen und waren im Verhältnis zum letzten Jahr minimal. Das MYFEST wurde das, was wir uns erhofft haben, nämlich ein kunterbuntes Programm unterschiedlichster Musikrichtungen, wo die Menschen bis spät in die Nacht feierten - und nicht "krawallten". Es scheint, als ob der Segen gewirkt hat. Oder war es unsere Strategie? Oder beides? Auf alle Fälle habe ich die positive Wirkung ihrer Segnung aufgenommen und an all die weitergegeben, mit denen ich Gelegenheit hatte darüber zu sprechen. Auch von meiner Seite möchte ich mich für die Aktion bedanken und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit.“