Gemeinsam für Berlin e.V.

The Cat and the Toaster - Teil 24

Dr. Douglas Hall: The Cat and the Toaster - Living System Ministry in a Technological Age

Folge 24 der deutschen Zusammenfassung
Autor: Axel Nehlsen

Mit dem letzten Teil unserer Zusammenfassungen beenden wir nun die Blogbeiträge über das Buch von Dr. Douglas Hall über das systemische Denken und Handeln für eine Stadt. Es geht weiter in Teil 6, der unter dem Titel „Die Reise beginnt“ steht.

Nachzutragen aus Kap. 26 ist zu der bereits gezeigten Tabelle noch der Punkt 4. Raum meint im weitesten Sinn das, was sich im Universum in alle Richtungen erstreckt. In unserer westlichen Prägung neigen wir dazu, alles zu fragmentieren und dann die Einzelbereiche isoliert voneinander zu behandeln. Städte sind jedoch viel komplexer in sich selber und mit der Welt vernetzt, als dass sie nur wie die Summe verschiedener Milieus und Zielgruppen zu behandeln wären. Diese Art des Zugangs (also alles hübsch voneinander getrennt und nicht im Zusammenhang sehen) scheint die Folge der Trennung von Gott zu sein, die auch die Welt nur noch als fragmentiert sehen kann. Diese Betrachtungsweise (alles getrennt, verschieden, unabhängig von-einander) ist aber eine Illusion unseres westlichen Individualismus. Biblische „Welt-Anschauung“ ist organisch, wo alles aufeinander bezogen ist, also systemisch. Folglich ist das häufige evangelikal-christliche Verständnis von additivem Gemeindewachstum und „Erreichen“ einer Stadt nicht angemessen, da es die organische „Selbst-Vervielfältigung“ neu gewonnener Glaubender nicht in Betracht zieht (eine Gemeindegründung gebiert die nächste).

 

Kap. 27 Vollständige Erlösung in der neuen Schöpfung

Während in der derzeitigen entwickelten Welt die Technologie oft ein Hindernis für das Erfassen lebendiger Systeme ist, wird im Erlösungszustand der neuen Welt Gottes auch die Technologie erlöst sein und nicht mehr als Mittel zur Unterdrückung der einen und Privilegierung der anderen dienen können. Daran können wir jetzt schon Anteil haben, wenn wir gemäß Römer 12,2 „unser Denken erneuern lassen“ und damit „nicht mehr den Denkmustern dieser Welt“ verhaftet sind. Dazu gehört auch, die (im Westen uns antrainierte) Trennung zwischen geistlichen, physischen und sozialen Dingen zu überwinden; wer das Geistliche prinzipiell höher bewertet, wird leicht der Irrlehre des Gnostizismus verfallen.

Die Stille Erweckung in Boston ist ein Beispiel für die gleichzeitige Transformation von geistlichen, physischen und sozialen Bereichen. In früheren oder gegenwärtigen Erweckungs-Situationen geht die physische Erneuerung und Heilung (von Menschen und Verhältnissen!) in aller Regel parallel mit der geistlichen Erneuerung oder ist ihre natürliche Folge. Soziale Transformation eines Stadtteils ist noch keineswegs erreicht, wenn alles hübscher wird, aber die Armen nur verdrängt wurden (Gentrifizierung).

 

 Plakat beim Boston Project mit der Aufschrift „Wir sind stolz auf den Kiez, in dem wir leben, arbeiten, Gottesdienst feiern und spielen“

 

Hall erwartet, dass in Zukunft geistliche Aufbrüche immer häufiger mit technologischen, ökologischen und sozialen Veränderungen einhergehen werden, und zwar auch in den (westlichen) Sekundär-Kulturen.

Wenn wir immer wieder umkehren - mit dem Eingeständnis, dass wir kontraproduktiv sein können, es bemerken und dann beständig das erlösende Lernen (constant redemptive learning) praktizieren - spiegeln wir die Perfektion wider, welche die Erlösung hervorbringt. Wir bewegen uns weg von einem christlichen Dienst, der nur kurzfristige Erfolgsblasen produziert, hin zu einem Wirken im lebendigen System, das bleibende und ewige Frucht bewirkt…“  (Seite 312) Dann werden sogar die bisher stillen Erweckungen „hörbar“ werden.

 

Kap. 29 In die neue Schöpfung eintreten

Die These des Buches wird zusammengefasst: Das Systemdenken, in die Missiologie integriert, ist die einzig relevante praktische Wissenschaft, um das Evangelium in der Sekundärkultur der Gegenwart zu kontextualisieren; damit kann der Niedergang des westlichen Christentums gestoppt werden; auch hier ist Erweckung möglich.

 

Schon Apg.1,8+14 nennt drei Dynamiken, die die Mission am Laufen halten: Städte („Jerusalem, Samaria“), Diaspora-Bewegungen („bis an die Enden der Erde“) und Beziehungs-Kulturen („die Gläubigen waren beieinander…“). Hall schlägt vor, daraus eine systemische Missiologie als neue Denkschule zu entwickeln. Ihre erste Vorannahme wäre, dass lebendige soziale Systeme die wichtigste Triebkraft der Mission der Kirche sind. Der weltweite Leib Christi, Nationen und Generationen übergreifend, ist damit die geistliche Dynamik in den globalen sozialen Systemen. Dabei wirken die verschiedenen Ebenen der Offenbarung Gottes (natürliche, soziale und spezielle) zusammen. Die Entdeckung des Quiet Revival begann genau damit: Verschiedene ethnische Gruppen arbeiteten zusammen, soziale Gräben zwischen Reich und Arm wurden überbrückt, Innenstadtbereiche und Vorstädte, Schwarz und Weiß bauten Beziehungen miteinander. Das war quer durch die Stadt im Mikro- und Makrobereich zu beobachten. Jesus Christus wurde immer sichtbarer in den gesunden Bindungen der sozialen Systeme. Hunderte von Gemeinden wurden gegründet, Tausende von Menschen wurden Christen. Dabei wuchs der soziale Dienst immer gleichzeitig mit der geistlichen Entwicklung.

 

Bei alledem bleibt diese erstaunliche Transformation durch das Quiet Revival ein göttliches Geheimnis. Man kann von ihr lernen, sich anstecken lassen, ermutigt werden (und genau das wollen wir mit den hier geposteten Zusammenfassungen des Buchs!!). Aber man kann sie nicht in einfache Prinzipen fassen, organisatorisch „auf Flaschen ziehen“ und damit kontrollieren! Denn: eine lebendige Katze lässt sich nicht wie ein Toaster reparieren; das Pferd zieht den Wagen und nicht der Wagen das Pferd!

 

"Also ist Living System Ministry nicht einfach eine intelligentere Weise, dieselben Dinge nur etwas besser hinzukriegen. Living System Ministry ist vielmehr dazu da, geistliche Gesundung in unsere Sekunär-Kulturen zu bringen. Gottes lebendige Systeme waren das Modell für die Primärkulturen. Die neue Schöpfung ist das ultimative Modell für uns in dieser neuen, hauptsächlich sekundären Kultur. In der neuen Schöpfung wirken physische Wirklichkeit (inkl. Technologie), soziale Realität (inkl. der Erlösten aller Zeitalter) und geistliche Wirklichkeit (mit dem dreieinigen Gott und seinem Reich) alle zusammen als ein riesiges vernetztes System." (Seite 341)

 

 

 

 

Sep11

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