Gemeinsam für Berlin e.V.

Missionale und interreligiöse Arbeit in Birmingham


Bild "The Feast" http://www.thefeast.org.uk/


Die Springfield Gemeinde und ihr soziales Projekt  www.springfieldproject.org.uk 

Es handelt sich um eine klassische, evangelikale anglikanische Gemeinde mit etwa 150 Gottesdienstbesuchern. Der Gemeinde wurde durch Gebet immer deutlicher, dass sie als Gemeinde Gottes Liebe in ihrer Nachbarschaft zum Ausdruck bringen will. Gemeinsam suchten sie nach Wegen, das umzusetzen. Durch eine Teilfinanzierung mit öffentlichen Geldern im Rahmen eines speziellen staatlichen Programms für schwierige, arme Nachbarschaften wurde ihr altes Gemeindehaus neben der Kirche abgerissen und ein Neubau erstellt. Dieser Neubau ist ein Mehrzweckbau. Er beherbergt heute eine Kita und ein Familienzentrum. Unter der Woche wird das Haus für diese Aktivitäten genutzt.  Am Wochenende und abends kann die Gemeinde die Räume für andere gemeindliche Aktivitäten nutzen.

Im Springfield Projekt werden inzwischen ca.50 Mitarbeitende meist in Teilzeit beschäftigt, dazu kommen noch einmal genauso viele Ehrenamtliche. Die Mitarbeiter kommen nicht nur aus der Gemeinde und sind nicht nur Christen. Aber alle müssen sich mit dem christlichen Leitbild der Einrichtung identifizieren. Ihr Anliegen ist, dass sie den Familien aus der Nachbarschaft bestmöglich dienen. Viele Familien haben soziale und wirtschaftliche Probleme. Sie erhalten Unterstützung durch Erziehungsberatung, Familienhilfe, Kurse über Erziehung, Umgang mit Finanzen, Unterstützung bei Suchtproblematik u.a.


Bild "The Feast" http://www.thefeast.org.uk/

Während die anderen anglikanischen Gemeinden in der Umgebung eher schrumpfen und ums Überleben kämpfen, scheint diese Gemeinde stabil und überlebensfähig zu sein. Wir erlebten einen sehr lebendigen Gottesdienst. Die Leiterin des Projekts hielt an diesem Sonntag die Predigt, um die Verbindung zwischen Gemeinde und Projekt weiter zu stärken. Sie erleben die Herausforderung, dass bei größerer Professionalisierung des Projekts die Verbindung zur klassischen Gemeindearbeit schwierig wird. Der Pastor spielt hier eine Schlüsselrolle.  Er sieht die Herausforderung und findet immer wieder neue Wege, um die Verbindung zur Gemeinde zu stärken. Er selber ist auch regelmäßig im Projekt aktiv. Inzwischen konnte eine Frau angestellt werden, die für die Ehrenamtlichen zuständig ist. Sie gehört zur Gemeinde und bemüht sich intensiv darum,  die personelle Verbindung zwischen der Kirche und dem sozialen Projekt auszubauen.

Christ Church Sparkbrook:  Gottes Wirken durch einen Tornado

www.christchurchsparkbrook.org.uk

Diese Gemeinde war eher das Schlusslicht der anglikanischen Gemeindeszene. 2005 hatte sie nur noch 30 Gemeindeglieder. Viele zogen aus dem Stadtteil weg. Dieser ist heute fast ausschließlich muslimisch - nicht multikulturell, sondern mehrheitlich pakistanisch. Klassische Gemeindearbeit war kaum noch möglich.

Gottes Eingreifen bestand darin, dass ein Tornado die 150 Jahre alte Kirche zerstörte. Sie musste abgerissen werden. Die Stadtverwaltung schlug der Gemeinde einen Tausch vor. Sie war interessiert an dem Gelände, um ein Gesundheitszentrum darauf zu bauen. Im Gegenzug sollte die Gemeinde ein kleineres Gelände gleich gegenüber erhalten und die Stadtverwaltung baute ihnen einen neuen modernen Mehrzweckbau. Bis zur Umsetzung vergingen 8 Jahre. Letztes Jahr wurde der Neubau übergeben.

Nach dem Tornado hatte die Leitung der anglikanischen Kirche in Birmingham die Gemeinde vor die Entscheidung gestellt: Entweder die Gemeinde wird geschlossen oder die Gemeindeglieder öffnen sich für neue missionale Ideen. Einige verließen die Gemeinde und schlossen sich den anderen Gemeinden an. Andere kamen dazu. Inzwischen ist die Christ Church ein missionales Experimentierfeld der anglikanischen Kirche. Es gibt keinen Sonntagsgottesdienst. Die Christen treffen sich unter der Woche für Teamtreffen und Gebet. Sie verpflichten sich, einen missionalen Lebensstil in der Community zu führen. Das heißt, ihr Selbstverständnis ist eher das von Missionaren. Sie arbeiten in Projekten und Initiativen im Kiez mit, u.a. auch in muslimischen Organisationen. Ihr Anliegen ist, dass sie unter den Menschen leben und als Christen bekannt sind, ohne jedoch zu massiv offen evangelistisch zu sein. Sie dienen den Menschen um sich herum und bauen Beziehungen. Der Wunsch des Leiters ist, dass sich zwei muslimische Familien für Jesus entscheiden und sie dadurch einen echten Durchbruch erleben. Das Gemeindehaus steht allen offen, die im Kiez leben und sich dort engagieren (christliche und nichtchristliche Gruppen).

The Feast http://thefeast.org.uk

Dr. Andrew Smith stellte uns das Konzept von The Feast vor. Es ist eine übergemeindliche Initiative, deren Ziel es ist, Beziehungen zwischen muslimischen und christlichen Jugendlichen zu stärken. 

The Feast veranstaltet regelmäßig Events für kleine Gruppen von Jugendlichen, zum Beispiel sechs Muslime und sechs Christen. Wichtig ist, dass die Anzahl der Christen und Muslime ausgeglichen ist. Es gibt Sportevents, Kunst, Mode oder Outdoor-Aktivitäten. Es gilt, Jugendlichen ein Angebot entsprechend ihren Interessen zu bieten.

Diese Events finden meist ganztägig an einem Samstag statt oder auch übers Wochenende. Das Ziel ist, dass Jugendliche eine coole Zeit miteinander verbringen und sich mit einem Angehörigen des jeweils anderen Glaubens über ihren Glauben austauschen. Dieser inhaltliche Austausch wird angeleitet. Es gibt klare Verhaltens– und Gesprächsregeln. So wird u.a. immer nur über den eigenen Glauben geredet, man muss nicht „das Christentum“ oder „den Islam“ verteidigen. 

Jugendliche werden dadurch ermutigt, bewusst ihren eigenen Glauben zu leben und selbstbewusst anderen gegenüber zu vertreten. Außerdem sollen dauerhafte Beziehungen und Freundschaften zwischen Christen und Muslimen entstehen. Diese Beziehungen sollen auch ohne spezielle Events weiterleben.

Dazu braucht es im Vorfeld eine sehr sorgfältige Vorbereitung. Es müssen viele Gespräche mit Jugendleitern, mit Pastoren und Imamen, mit Eltern und natürlich den Jugendlichen geführt werden. Es wird eine sehr sorgfältige Auswahl nach Interessengebieten, Schule oder Wohnort der teilnehmenden Jugendlichen vorgenommen, damit dauerhafte Beziehungen entstehen können. Für diese Aufgaben wurden mehrere Personen angestellt. Hierbei ist interessant, dass sowohl christliche als auch muslimische Mitarbeiter angestellt wurden. 

Aug21

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