Gemeinsam für Berlin e.V.

Gott bewegt etwas in den großen Städten

Bericht vom "Movement Day Global Cities" in New York City, Teil 2
von Axel Nehlsen

Die erste globale christliche Konferenz über die Rolle der Großstädte für das Evangelium. 3.000 christliche Verantwortliche aus 95 Nationen, darunter 32 Deutsche, überwiegend aus Berlin. Nach der beeindruckenden Vorgeschichte der Gastgeberstadt New York berichte ich im zweiten Teil nun über unsere Erfahrungen im quirligen New York und die eigentliche Konferenz.

Zu Gast in New York

Wie für alle über 1.000 Ausländer trugen Sponsoren auch unsere Konferenzgebühr. In einem Kraftakt organisierte das Konferenzbüro unsere Unterbringung bei Mitgliedern von Gemeinden. Sieben von uns waren zu Gast bei der Crossroads Tabernacle Church in der Bronx (Foto), bei Gemeindemitgliedern in sehr unterschiedlichen Verhältnissen. Der Stadtbezirk ist ethnisch überwiegend nicht weiß und sozial eher schwach, heutzutage aber sicher. Im Gottesdienst am Sonntag vor der Konferenz wurden wir herzlich willkommen geheißen. Eine größere Gruppe von uns war in einem Bibelschul-Wohnheim in Queens sehr einfach untergebracht. Andere hatten ihre Unterbringung selbst organisiert. DieZeit vor und nach der Konferenz wurde von den meisten für Sightseeing und den Besuch anderer Gottesdienste genutzt. NYC als Mega-City ist ein urbanes Highlight, geistlich, ethnisch, kulturell, architektonisch.

Die Konferenz

Die Konferenz begann mit einem dynamischen, pfingstlich geprägten Gebetsgottesdienst am Vorabend im Brooklyn Tabernacle (Foto). Die eigentliche Konferenz ging über drei volle Tage. An drei Vormittagen war vier Stunden Plenum mit einer kurzen Pause – für manche nicht Englischsprachige anstrengend. Der geistliche Stil der Plenumsteile hatte eine große Spannweite, von sachlich nüchtern bis pfingstlerisch laut. Für Musik und Lobpreis war die Getty Band aus Nashville/Tennessee zuständig; besonders ihre Irish Folk Songs begeisterten, auch die neu arrangierten Hymnen.

Ich kann hier nicht detailliert auf die einzelnen Vorträge, Interviews, Projektberichte, Videos usw. eingehen. Viele von uns beeindrucktedie Leidenschaft, mit der Menschen das umsetzen, was Gott ihnen aufs Herz gelegt hat; das kam speziell in den Interviews mit Menschen in sozialen Projekten und im Dienst für die Stadt zum Tragen.Wesentliche nachweisbare Veränderungen in den Städten beruhen – neben der Einheit der Christen und dem Gebet (Siehe Teil 1) - darauf, dass einzelne Menschen sich rufen lassen und konsequent ihren Weg gehen.

Einen gewissen inhaltlichen Leitfaden bildeten Texte der Apostelgeschichte über die Mission der ersten Christen. Sie wurden in Beziehung gesetzt zu den großen globalen Herausforderungen unserer Zeit, die sich in den Großstädten verdichten: 60 Millionen Flüchtlinge weltweit; Armut und Unterentwicklung v.a. im globalen Süden; die Herausforderung der nachchristlichen Gesellschaft nicht nur im Westen; ethnische und religiöse Konflikte. Gott rüttelt die Christenheit auf, in dem er die Nationen der Welt in die Nachbarschaften unserer Cities (auch in Europa) bringt. Das wurde durch zahlreiche Projektberichte und Interviews aus allen Erdteilen eindrucksvoll belegt (Foto). Der Inder Jayatumar Christian (World Vision) mahnte, dass eine Theologie für die südliche Welt zunächst eine Theologie des Zorns über Elend und Unrecht sein müsse, der uns „an die Nieren geht“; erst danach dürfe sie sich zu einer Theologie der Hoffnung entwickeln. In eine ähnliche Richtung ging Alan Platt aus Pretoria, Südafrika, in seinem Beitrag „Moving from Concern to Compassion“ (von Betroffenheit zu Mitgefühl): Die Veränderung des Denkens über die Menschen und Kirchen verändert die Art unserer Zuwendung zur Stadt.

Highlights

Manches war uns zu US-zentriert; beeindruckt haben uns jedoch Bill Hybels, Willow Creek, und Toni Evans aus Dallas, Texas. Hybels berichtete im Interview sehr ehrlich über seinen Lernprozess von der Gemeinde-Zentriertheit zur Sicht für den größeren Leib Christi im lokalen und globalen Maßstab. Heute versteht er seinen Dienst so, dass ihn seine Gemeinde sendet, um den Kirchen in der Welt zu dienen. Evans betonte – rhetorisch brillant und mitreißend – den notwendigen Fokus nicht auf Gemeinde, Stil, Dienst o.ä., sondern die Auswirkungen des Reiches Gottes (Kingdom Impact). Dieser Begriff wurde für viele von uns zum Schlüssel.

Die Zeit- und Gesellschaftsanalysen kamen zu unserem (europäischen) Bedauern erst am Schluss, dann aber brillant von Javier Garcia, Campus für Christus, Barcelona, und Timothy (Tim) Keller, Redeemer New York, präsentiert.

Den Zeitgeist im globalen Westen nannte Garcia „Hypermoderne“: Individualismus, Konsum, Anspruchsdenken, Medienkultur – alles ist überzogen und bewirkt daher Ambivalenz und Verunsicherung. Die Suche vieler Menschen nach Identität sei eine neue Chance für den christlichen Glauben. Ganzheitliche und Beispiel gebende Lebensmodelle seien gefragt. Ebenso müssten wir uns um der Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit willen als Kirchen und Bewegungen zusammen tun.

Tim Keller diagnostiziert ein wachsendes Problem mit Evangelisation, weil in der westlichen Kultur der Individualismus und die Ablehnung gegen das Christentum wachsen. Die alten Wahrheiten und Narrative zählen nicht mehr. Politische, religiöse und gesellschaftliche Fragmentierung schreitet fort. Aber es gibt Gründe zur Hoffnung: In allen Erdteilen können Christen die Städte mit prägen, wenn sie sich gesellschaftlich engagieren. Eine „Bekehrungsreligion“ der freien Entscheidung kommt den Menschen entgegen. Und wir müssen mit Widerstand rechnen, in dem Gottes Liebe uns allerdings Resilienz (Widerstandskraft) verleiht.

Workshops
Nachmittags gab es an zwei Tagen je zwei Workshop-Blöcke. In dieser kurzen Zeit und bei teils großen Teilnehmerzahlen konnten die Themen oft nur angerissen werden. Einige Berliner waren am Doppel-Workshop „Researching your City for Kingdom Impact“ (Foto) in Kooperation mit unseren Partner Emanuel Gospel Center (EGC) in Boston beteiligt, v. a. Bianca Dümling mit einer Berlin-Studie über Migrationsgemeinden. Ansonsten ging das Themenspektrum von Kunst und geistlichem Kampf bis zu Wirtschaft, Armut und Gemeindegründung. Unsere Erfahrungen in den Workshops sind naturgemäß extrem unterschiedlich, von begeistert bis enttäuschend.

Neben diesen Programmteilen gab es für einzelne von uns Sonderveranstaltungen: Empfang für Mitwirkende und Vorbereitungsgruppe, Empfang für Executives, junge Generation, Frauen, Rassismus. Der letzte Nachmittag war für Auswertungen der regionalen und nationalen Gruppen reserviert. Wir trafen uns zuerst mit einem Großteil der europäischen Delegierten unter Leitung des europäischen Koordinators der Lausanner Bewegung, Jean-Paul Rempp aus Lyon - eine gute Erfahrung europäischer Vielfalt. Danach vollzogen wir eine erste Auswertung als deutsches Team. Was uns an Impulsen und Herausforderungen weiter bewegt, beleuchte ich in der dritten und letzten Folge.

Dez06

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